Bericht Auerrindprojekt 1/2018

Bericht Auerrindprojekt
1/2018


Zucht

Zuchtstandort Lorsch
Die Herden des Auerrindprojektes in Lorsch stehen zur Zeit allesamt noch auf den Winterweiden. Leider musste die Watussikuh Maua aufgrund einer schweren Sprunggelenksverletzung geschlachtet werden. Die kleine Zuchtgruppe (Chianinabulle und zwei Watussikühe) musste aus diesem Grund erst einmal aufgelöst werden. Es ist nach dem momentanen Sachstand noch offen, ob überhaupt an den Watussis innerhalb des Zuchtprojektes festgehalten wird, da sich die Tiere als insgesamt nicht wirklich widerstandsfähig erwiesen haben. Im besonderen Fall der Rasse Watussi in Deutschland mag dies sicherlich auch an dem verhältnismäßig hohen Inzuchtgrad liegen, da fast alle Tiere auf eine einzige Importaktion in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückzuführen sind. Der Zuchtbeirat des Auerrindprojektes hat bereits mit der Sondierung bezüglich einer Alternativrasse begonnen. Die bisherigen Kreuzungskälber bleiben weiterhin Teil des Zuchtprojektes. Inwieweit der grundsätzliche Zuchtplan möglicherweise neu gefasst werden muss, wird gerade eruiert.

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Sayaguesabulle Leo am Zuchtstandort Wattenheimer Brücke (Bild: R. Goderie)

Die aus dem Sayaguesabullen Leo und den drei Chianinakühen bestehende Zuchtgruppe an der Wattenheimer Brücke entwickelt sich weiterhin gut; eine vor kurzem durchgeführte Trächtigkeitsuntersuchung ergab ein positives Ergebnis bei allen Kühen.
Im Dezember wurde vom Auerrindprojekt eine weitere Chianinakuh angeschafft. Die von der ABU Soest erworbene Altkuh befindet sich momentan noch auf einer Eingewöhnungsfläche mit zwei Jungrindern.

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Chianinakuh Lola bei ihrer Ankunft in Lorsch im Dezember 2017

Wie genau die Kuh in diesem Jahr eingesetzt werden soll, ist noch nicht klar; es ist davon auszugehen, dass das Tier bereits tragend ist (in diesem Fall von einem Taurusbullen).
Zuchtstandort Einhausen
Im Januar haben alle drei Ungarischen Steppenrinder Nachwuchs bekommen. Neben einer Totgeburt (Bullenkalb) kamen insgesamt zwei weitere, gesunde Bullenkälber auf die Welt.

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Zuchtstandort Bielefeld
Die drei auf dem Landschaftsplegebetrieb von Felix Hohmeyer befindlichen Sayaguesakühe und das Kreuzungskalb Alvarez sind alle gesund und stehen gut im Futter. Es bleibt zu hoffen, dass alle Kühe tragend sind und dieses Jahr Kreuzungstiere auf die Welt kommen.

Zuchtstandort Schwarzach
Die Vorbereitungen auf die Inbetriebnahme des neuen Zuchtstandortes im Wildpark Schwarzach laufen auf Hochtouren. Die aus den beiden Maremmanakühen und dem Sayaguesabullen Takkie bestehende Zuchtgruppe wurde bereits in Lorsch zusammengestellt und wartet auf den Abtransport.

Zuchtstandort Groß-Rohrheim
Nach erfolgreichen Verhandlungen mit den Naturschutzbehörden wird dieses Jahr im NSG Hammer-Au (Gemarkung Groß-Rohrheim) im Bereich eines alten Auenwaldes eine größere Weidefläche (insg. etwa neun Hektar) für das Auerrindprojekt entstehen. Zur Zeit laufen die Vorbereitungen für die Erstellung der Zauntrasse. Ob eine komplett neue Zuchtgruppe in Groß-Rohrheim eingerichtet werden soll oder eine bestehende dorthin verlegt, ist noch offen.

Forschung

Seit einigen Monaten wurde am Freilichtlabor Lauresham im Rahmen des Auerrindprojektes mit der morphologischen Auswertung mehrerer, aus dem Oberrheingebiet stammender Auerochsenschädel begonnen. In einem großangelegten Forschungsprojekt sollen alle aus diesem Gebiet stammenden Funde systematisch erfasst, teilweise datiert und ausgewertet werden.

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Auerochsencranium aus dem Oberrheingebiet mit Horndeformation (Bild: Auerrindprojekt)
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Knapp 50.000 Jahre altes Cranium eines Auerochsen aus dem Oberrheingebiet (Bild: Auerrindprojekt)

So besteht die Möglichkeit, morphologische Veränderungen der Auerochsenpopulationen über die Jahrtausende auch in einer Kleinregion näher zu untersuchen und wichtige Erkenntnisse für die Zuchtprojekte zu generieren. Die Ergebnisse der Forschungen sollen entsprechend publiziert und auch den anderen Zuchtprojekten zur Verfügung gestellt werden.
Darüberhinaus wurde in Kooperation mit der Universität Kiel von einem aus Bensheim stammenden Auerochsen eine a-DNA Probe genommen, die zur Zeit sequenziert wird. Es bleibt zu hoffen, dass in diesem Fall sogar Aussagen zum allgemeinen Erscheinungsbild des Tieres möglich sein werden.

Tagung am 27.1.2018 in Lorsch
Am 27. Januar trafen sich an die fünfzig Fachleute im Museumszentrum Lorsch, um zum Thema „The Aurochs – breeding back and natural grazing for a wilder future?“ über aktuelle Auerochsenforschung, Zuchtprojekte und naturnahe Beweidungsprojekte in ganz Europa zu diskutieren. Es war das erste Mal, dass alle Zuchtleiter der großen Rückzüchtungsprojekte (Taurus, Tauros und Auerrind) an einem Tisch über die jeweiligen Zuchtstrategien diskutieren konnten. Es kam zu einem sehr fruchtbaren Erfahrungsaustausch und viele der Teilnehmer waren optimistisch, dass dieses neu initialisierte Netzwerk auch in Zukunft erhalten bleiben soll. Besonders eindrucksvoll konnten in der letzten großen Tagungssektion die große Vielfalt und der Nutzen der Ganzjahresbeweidungsprojekte  mit Rindern in Europa vorgestellt werden.
Es ist die Publikation der Tagungsbeiträge geplant.

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Am Tag nach der Tagung fand zusätzlich noch eine kleine Exkursion zu einem der Beweidungsstandorte des Auerrindprojektes in Lorsch statt. An einem Aussichtspunkt wurde zunächst über den Standort an der Wattenheimer Brücke generell diskutiert; im Anschluss ging es zur Besichtigung der Herde.

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3D-Druck eines idealtypisch rekonstruierten Auerochsenbullen
im Rahmen der Ausstellung „Der Auerochse – eine Spurensuche“ im Museumszentrum Lorsch wird zur Zeit auch eine idealtypische Rekonstruktion eines Auerochsenbullen als 3-D Druck ausgestellt. Die auf Grundlage verschiedener Skelettfunde erstellte Druckdatei wurde dem Auerrindprojekt freundlicherweise vom Tauros-Programm zur Verfügung gestellt und gibt einen sehr eindrucksvollen Eindruck vom athletischen Gesamterscheinungsbild des Auerochsen.

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3-D Druck eines idealtypisch rekonstruierten Auerochsenbullen; Druckdaten freundlicherweise bereitgestellt durch das Tauros Programm (Bild: Auerrindprojekt)

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